Beiträge zur Oppenheimer Stadtgeschichte


Wer sich für die reiche und vielfältige Geschichte meiner Heimatstadt Oppenheim interessiert, findet interessante Beiträge auf www.regionalgeschichte.net, dem Online-Portal des Instituts für historische Landeskunde der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Ich durfte bislang fünf Aufsätze beisteuern.


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Das kaiserliche Wappen in Oppenheim


In Oppenheim haben sich trotz der zahlreichen Zerstörungen in seiner Geschichte einige Türen und Tore erhalten, die von einem Zeichen, einem Symbol, einem Wappen gekrönt werden. Meist in Stein gehauen, meist Zunftzeichen und oft mit einer Jahreszahl versehen. Ganz anders das Wappen über dem Torbogen in der Mainzer Straße 11/13. Bei genauem Hinsehen gibt sich dieses in Sandstein gemeißelte und bunt bemalte Symbol als das kaiserliche Wappen des Hauses Habsburg zu erkennen. Es ist einmalig im Stadtbild Oppenheims, was die Fragen, aufwirft: Warum und wann wurde an dieser Stelle das kaiserliche Wappen angebracht? Was war früher einmal hinter den Mauern von Mainzer Straße 11/13? Das Gasthaus Zur Kanne stand hier und beherbergte 1521 zweimal Martin Luther. Aber die Kanne und alle Nachbargebäude brannten 1621 ab. Was kam danach?


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Reformation total. Religiös-fundamentalistischer Terror in Oppenheim? Ein Deutungsversuch


Im Mai des Jahre 1565 spielten sich in Oppenheim Szenen ab, die auf den ersten Blick zum Vergleich mit religiös motivierten Zerstörungsorgien fanatischer Islamisten im Mittleren Osten oder in Afrika einladen. Auf Anordnung des vor Ort in Oppenheim befindlichen Pfalzgrafen und Kurfürsten Friedrich III., seinerzeit Landesherr von Stadt und Bürgern, wurden aus allen Kirchen der Stadt, Bilder, Altäre, Skulpturen, Altarschmuck, Teppiche, Tücher, Messgewänder, alles was aus der Sicht calvinistischer Reformierter nicht in ein Gotteshaus gehörte („nicht mehr als ein Tisch“) zerschlagen, verbrannt, vernichtet. Bis heute sieht man in St. Katharinen die damals geräumten und seitdem leeren Nischen, Podeste und Freiflächen. Erhalten blieben nur die fest ins Mauerwerk eingelassenen Epitaphe und die mittelalterlichen Fenster. Warum geschah dieser barbarisch anmutende Akt der Zerstörung?


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Gestern pfälzisch – heute spanisch


1620 kam der zwei Jahre zuvor als Böhmischer Aufstand ausgebrochene Dreißigjährige Krieg nach Oppenheim. Die ehemals Freie Reichsstadt hatte zwar schon sehr viel früher ihre Selbständigkeit verloren. Im 14. Jahrhundert hatte der Kaiser sich Geld leihen und dafür ein Pfand geben müssen. Den Kredit gab der Pfalzgraf und Kurfürst Ruprecht und erhielt dafür Oppenheim als Pfand, das der Kaiser nicht wieder auslösen konnte. Oppenheim wurde kurpfälzisch bis 1797, als der Frieden von Campo Formie das Ende der Kurpfalz besiegelte. Doch der damalige Besitzwechsel erfolgte gewaltlos. Als über der Stadt Oppenheim die spanische Flagge aufgezogen wurde, geschah das unter militärischem Zwang und dem Einsatz von Gewalt, wenngleich die Stadt widerstandslos eingenommen wurde. Es folgten elf harte Jahre spanischer Besatzung und eine von Krieg, Zerstörung, Erpressung und Plünderung gekennzeichnete Epoche, die kaum ohne Unterbrechung fast 200 Jahre bis 1816, dem Ende der Napoleonischen Kriege und der Neuordnung Europas beim Wiener Kongress andauerte.


Kaspar Sturm - Ein Oppenheimer im diplomatischen Dienst des Kaisers


Wen würde man nach Durchsicht der Oppenheimer Stadtgeschichte in eine Reihe bedeutender Oppenheimer aufnehmen, und wer würde wo auf einer Rangliste platziert? Eins vorweg: Geschlechtergerecht würde diese Liste nicht. Wenn wir Geschichte als die Politik von gestern und vorgestern verstehen, begegnen uns als Akteure in Oppenheim nur Männer. Johanna Senfter war eine bedeutende Frau. Aber sie war Musikerin und hatte mit Politik nicht viel im Sinn. Oppenheim kann nicht als Beleg dafür dienen, dass der Satz Heinrichs von Treitschke „Männer machen Geschichte“ falsch ist. Jakob Steffan stünde auf der Liste bedeutender Oppenheimer, Ferdinand Emonds und Johann Paulsackel auch. Ganz bestimmt und vielleicht ganz vorne Kaspar Sturm. Der Oppenheimer der die Eskorte zum Schutz Martin Luthers bei der Reise von Wittenberg zum Reichstag nach Worms anführte, war ein hochrangiger Diplomat im Dienst Kaiser Karls V. und als solcher ein einflussreicher und hochgeachteter Mann im Herrschaftsapparat eines riesigen Reiches, „in dem die Sonne nicht unterging“. Für einen Bürgerlichen aus der oberrheinischen Provinz eine glänzende Karriere, die heute noch Beachtung verdient.


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Ein Schutzbrief für die Oppenheimer


1689 gilt in Oppenheims Stadtgeschichte als das Jahr der Zeitenwende. Merians berühmter Stich zeigt die Stadt, wie sie sich dem Betrachter um 1620 darstellte. Schaut man heute aus Merians Perspektive von damals auf die Stadt, muss man realisieren, dass davon nicht viel übrig geblieben ist. Die Katharinenkirche und St. Bartholomäus erkennt man wieder und die Ruine Landskron als die traurigen Reste einer einst stolzen Burg. Am 17. Juli 1621 zerstörte ein verheerendes Feuer schon einen großen Teil des mittelalterlichen und merianschen Stadtkerns. 1689 aber fiel Oppenheim der französischen Kriegsstrategie der verbrannten Erde dann aber nahezu vollständig zum Opfer. Vollstrecker waren Einheiten unter dem Kommando des Brigadier Mélac. Die Stadt wurde regelrecht ausradiert. Das war die Wende von der Zeit vor Mélac zur Zeit nach Mélac. Fünf Jahre später stellt Mélac den Bürgern der von ihm verwüsteten Stadt einen Schutzbrief aus. Denen er alles genommen hat, Haus, Vieh, Vorräte, Mobiliar, Vermögen, Güter, Werkzeug, garantiert er Schutz. Warum macht er das? Die Antwort darauf ist frappierend und zeugt von Habgier und Zynismus.


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